Freundeskreistalk mit Elis Grandy am 8. Juli 2015

 17.07.2015
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Die Freunde des Theaters waren die Ersten, die den neuen Heidelberger Generalmusikdirektor beim Freundeskreis-Talk im Alten Theatersaal ein bisschen näher kennenlernten, ehe er im September sein Amt offiziell antreten wird. Elias Grandy hatte sogar seine Ehefrau mitgebracht, eine sehr sympathische Engländerin, die praktisch perfekt Deutsch spricht. Nur ein paar Tage vor dem errechneten Geburtstermin seines dritten Kindes strahlte das junge Paar in Vorfreude: Nach zwei Söhnen soll es nun eine Tochter werden. Und im September zieht die Familie nach Heidelberg. Die Stadt, so sagte Elias Grandy, komme ihm unglaublich lebendig vor. Und was einem Musiker natürlich besonders gefällt: „Die Leidenschaft, mit der die Bürger für das Theater und das Orchester einstehen.“ In anderen Städten gebe es Bürgerbewegungen dahin gehend, ob man eine Oper überhaupt noch brauche. Der 35-Jährige – er ist der gleiche Jahrgang wie seine beiden Vorgänger Cornelius Meister und Yordan Kamdzhalov – erzählte gerne von seiner beruflichen Laufbahn. Operndirektor Heribert Germeshausen stellte ihm die musikbezogenen Fragen, kenntnisreich, wie er ist. Ein bisschen vorsichtig äußerte sich Grandy bei der Frage aus dem Publikum nach der Harmonie, die zwischen Dirigent und Orchester notwendig sei. „Das Heidelberger Orchester hat einen ausgeprägten Willen, gute Musik zu machen. Das ist das, was die Beziehung zwischen Dirigent und Orchester trägt“, meinte Grandy und witzelte: „Wenn es nicht gut geht, muss ich mich schnell wieder verabschieden. Aber ich bin sehr zuversichtlich.“ Mit 16 Jahren hatte Elias Grandy seinen ersten Dirigierunterricht, doch damals, als Jugendlicher, meinte er noch, ein Dirigent müsse hervorragend Klavier spielen können. Darin aber war er nicht so gut wie am Cello – und so wurde er erst mal Cellist. Der gebürtige Münchner studierte an der Musikakademie Basel Violoncello, Kammermusik und Musiktheorie. Die Musiktheorie als Nebenfach sei extra für ihn eingeführt worden, sagt Grandy, „ich bin der Akademie extrem dankbar“. Damals konnte sich Grandy sogar noch vorstellen, Schauspieler zu werden oder in den diplomatischen Dienst zu gehen. Nur sein Vater wollte endlich mal eine klare Richtung sehen. Elias Grandy gewann daraufhin ein Vorspiel und wurde zwei Jahre lang Stipendiat der Akademie des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Mit dem Orchester („eines der besten der Welt“) konnte er fast alle großen Reisen mitmachen, vor allem Dirigent Mariss Jansons hinterließ einen prägenden Eindruck bei ihm. „Man lernt, was ein Spitzenorchester ausmacht, wodurch Qualität entsteht“, sagt Grandy. Als stellvertretender Solocellist war er dann an der Komischen Oper Berlin engagiert und studierte gleichzeitig das Dirigieren. Von seinem ersten Dirigat im Jahr 2008 erzählt Grandy in einer Anekdote: Der Dirigent erschien nicht zur Generalprobe, und ein Kollege meinte, das sei nun seine Chance. „Ich wusste, eigentlich geht das gar nicht, aber ich sagte mir, wenn ich das nicht mache, habe ich auch sonst nicht die nötige Chuzpe, ein Orchester zu leiten.“ Dieses Dvorak-Konzert war für ihn also eine eindrückliche Erfahrung. Erstmals spürte er, „wie ein Orchester seine Dynamik verändert, wenn jemand vor ihm steht“. In Heidelberg ist er gespannt darauf, wie unterschiedlich er mit dem Orchester in Oper und Konzert arbeiten kann. Es gibt nicht den perfekten Dirigenten, das weiß er schon. Jeder habe Schwächen, die das Orchester auch wahrnehme. Musikalische und motorische Begabung gehörten bei einem Dirigenten dazu und vor allem Kommunikationstalent, denn „die Hauptarbeit besteht in Probenarbeit“. Und da komme es darauf an, wie nachhaltig man die Menschen für sich gewinnen könne, damit sie mit möglichst viel Hingabe spielten oder sängen. So freut er sich jetzt auf seine Premiere in Heidelberg, Mozarts „Figaro“, den er bisher viel gespielt, aber selbst noch nie dirigiert hat. Bei fast jeder szenischen Probe ist der Generalmusikdirektor dabei. Sein erstes Konzertprogramm für das Philharmonische Orchester setzt auf „Artists in Residence“, vier Künstler, die nicht nur für ein Konzert hier sind, zu denen das Publikum eine tiefere Beziehung aufbauen kann. Ob er selbst mal als Cellist auftreten wird? „Ich habe mein Cello seit drei Jahren nicht mehr angefasst“, meint Grandy. „Aber wer weiß? Vielleicht ergibt sich mal eine After-After-Party?“ Birgit Sommer, RNZ 15.7.2025

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